Wie sich Personalvermittler an ausländischen Pflegekräften bereichern

Personalvermittler bereichern sich an ausländischen Pflegekräften

Wie sich Personalvermittler an ausländischen Pflegekräften bereichern

Bereichern sich Personalvermittler an ausländischen Pflegekräften? Seit der Öffnung des Europäischen Arbeitsmarktes geben große Klinikbetreiber mehrere Millionen Euro für Personalvermittler aus. Ohne jemals auch nur eine einzige Pflegekraft in Deutschland ankommen zu sehen. Wie kann das passieren? Wie ist es möglich, dass große und namhafte Institutionen reihenweise auf Personalvermittler hereinfallen?

Umsetzung des Pflegestärkungsgesetzes und der demographische Wandel – Personalvermittler bereichern sich an ausländischen Pflegekräften

Um die aktuelle Situation zu verstehen, muss man sich das Dilemma, in dem Kliniken vor Augen führen. Durch die Anfang des Jahres eingeführten Pflegepersonaluntergrenzen in den Abteilungen: Geriatrie, Intensivmedizin, Unfallchirurgie und Kardiologie lastet ein hoher Druck der Kliniken die vorgegebenen Personalschlüssel zu erfüllen. Der demografische Wandel trägt seinen Teil dazu bei:

die Menschen hierzulande werden immer älter und damit auch pflegeintensiver. In der Folge wird mehr und mehr qualifiziertes Personal gebraucht, um die Bevölkerung adäquat zu versorgen. Der inländische Bewerber Markt ist bekanntermaßen seit Jahren leergefegt. Seit Öffnung des EU-Arbeitsmarktes suchen die Arbeitgeber des Pflegesektors verstärkt nach geeigneten Pflegefachkräften im Ausland. Doch auch dies gestaltet sich zunehmend komplexer. Die Nachfrage nach ausländischen Kräften ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Und die Betreiber ziehen jetzt im Kampf um die Personalgewinnung alle Register.

Ein kürzlich erschienener Artikel bringt die Not auf den Punkt: 10.000 Euro Kopfgeld-Prämie auf Pfleger in Magdeburg. (https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/personalmangel-10000-euro-kopfpraemie-fuer-pfleger). Bei der Suche nach ausländischen Fachkräften werden oftmals private Personalvermittler oder Programme wie das bekannte Triple Win Projekt in Anspruch genommen.

Jährlich steigt die Zahl der außer-europäisch angeworbenen Pflegefachkräfte

Zum einen werden Pflegetätigkeiten in Deutschland für EU-Ausländer interessant. So hat sich in den letzten fünf Jahren die Zahl der im Zuge der europäischen Freizügigkeit in Deutschland beschäftigten Pflegekräfte um 28.000 auf 75.000 erhöht (40.000 Krankenpflegekräfte, 34.000 Altenpflegekräfte).

Zum anderen wurden als Reaktion auf den Fachkräftemangel in den letzten Jahren verstärkt Gesundheits und Krankenpfleger aus dem außer- europäischen Ausland angeworben.

Arbeitgeber legen somit Ihren Fokus auf Fachkräfte aus den sogenannten Drittstaaten. Eine philippinische Pflegefachkraft kostet den Arbeitgeber zwischen 11.000 und 17.000 Euro Vermittlungsgebühr. Die Preise für aus dem Balkan stammende Fachkräfte belaufen sich etwa auf 8.000 bis 12.000 Euro.

Angelockt von hohen Umsätzen strömen in der Folge nahezu wöchentlich neue Personalvermittler in den deutschen Markt

Auch die Anzahl an Projekten der Bundesagentur für Arbeit nimmt stetig zu. Kliniken und Pflegeeinrichtungen werden umworben. Und sehen sich dem großen Mangel auf der einen Seite und dem intransparenten Angebot auf der anderen Seite gegenüber. Sie haben die Qual der Wahl, welcher Personalvermittler und welches Programm den besten Weg aus ihrer Misere kennt. Sicherlich gibt es bei der Auswahl eines geeigneten Vermittlers Anhaltspunkte wie z.B. Erfahrung oder Reputation. Aber auch der Preis, der pro vermittelter Pflegefachkraft aufgerufen wird, ist auschlaggebend.

Da Kliniken und Pflegeeinrichtungen aktuell auf keinerlei staatliche Förderung für die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland (mit Ausnahme eines Bundeslandes) zurückgreifen können, entscheiden sie sich oftmals für das günstige Angebot eines Personalvermittlers.

Angebotene Programme können die erfolgskritische Einzelfallbetrachtung nicht leisten

Unter den seriösen Anbietern ist vor allem das Triple Win Programm bekannt, ein Projekt in Kooperation der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit mit dem Ziel der nachhaltigen Gewinnung von Pflegekräften aus dem Ausland. Aber auch hier fällt bei genauerem Hinsehen auf, dass viele Angebote schwer miteinander vergleichbar sind. Oft unterscheiden sich nicht nur die Preise für die anzuwerbenden Pflegekräfte, sondern auch die dafür versprochenen Leistungen. Hinzu kommen schlechte Erfahrungen der Arbeitgeber durch vorangegangene Projekte wie z.B. das Mobi Pro EU Programm.  Ein Beispiel sind abweichende Sprachniveaus der zu vermittelnden Kandidaten von A2-B2 der deutschen Sprache. Daneben muss genau darauf geachtet werden, ob die vermittlungsfähige Person bereits im Herkunftsland auf ihre berufliche Anerkennung vorbereitet wird, oder ob dies die Aufgabe des Arbeitgebers vor Ort ist.

Letzteres bedeutet, dass nach Ankunft erst einmal zusätzliches Geld und vor allem wertvolle Zeit in die Qualifizierung der Pflegekraft investiert werden muss. Zeit, die weder die Pflegeeinrichtungen, der Mitarbeiter noch Pflegebedürftige haben.

Wenngleich das Programm viele gute Ansätze aufweist, so ist es doch nicht in der Lage, eine angemessene Beratungsleistung für die vielen Besonderheiten bei der Anwerbung und Integration von internationalen Fachkräften zu erbringen. Und natürlich kann ein Programm die Einzelfallbetrachtung gar nicht leisten. Sie ist es aber, die oftmals die nachhaltigsten Erfolge erbringt. Und die größte Zufriedenheit bei allen Beteiligten.

Der gesetzliche Rahmen ebnet unseriösen Vermittlern den Weg -Personalvermittler bereichern sich an ausländischen Pflegekräften

Im Jahr 2002 wurde die Erlaubnispflicht für die private Personalvermittlung per Gesetz aufgehoben. Seitdem reicht es aus, ein Gewerbe anzumelden, um als Personalvermittler tätig zu werden. Fachkräftearme Kliniken oder Pflegeeinrichtungen haben seitdem gar keine Handhabe mehr, ein schlechtes Projekt oder einen bankrotten Personalvermittler von einem seriösen Marktteilnehmer zu unterscheiden. Nicht selten zahlen sie Lehrgelder in Millionenhöhe.

Damit rutschen einerseits sie selbst immer tiefer in die Misere hinein. Und am Ende natürlich die Menschen, die nicht mehr adäquat versorgt werden können.

Personalvermittler entwickeln mit großer Geschwindigkeit immer neue Maschen, um sich an der Not der Kliniken zu bereichern. Sie vermitteln ausländische Pflegekräfte aus Drittstaaten für einen kurzen Zeitraum wie drei Monate, um dann 4.000 Euro von den Arbeitgebern zu kassieren. Sind die drei Monate abgelaufen, wird die Pflegefachkraft bei einem anderen Arbeitgeber eingestellt. Somit umgehen die Vermittler die Zulässigkeit der Arbeitnehmerüberlassung. Vielen Arbeitgebern ist gar nicht bewusst, dass Sie sich eventuell je nach Ausgestaltung des Aufenthaltstitels des Mitarbeiters strafbar machen.

Was die Arbeitsmigration gelingen lässt

Das Prozedere, das eine gelungene Arbeitsmigration mit sich bringt, erfordert Erfahrung, kontinuierliche Weiterbildung und Marktbeobachtung, sowie viel Gespür für den Einzelfall. Dieses Spezialwissen kann in den Kliniken und Pflegeeinrichtungen nicht immer abgebildet werden. Und das muss es auch nicht. Weil es Spezialisten gibt, die jede vorliegende Situation individuell bewerten und danach einen gezielten Handlungsplan erarbeiten können.

Wenn all die wichtigen Institutionen im Gesundheitssektor sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, dann profitieren davon nicht habgierige und unqualifizierte Personaldienstleister, sondern diejenigen, wofür alle in der Pflege einmal losgegangen sind: pflegebedürftige Menschen.

Linda Ostermann, Geschäftsführerin der mondial expert GmbH, Expertin bei Fragen zu internationalen Fachkräften.